LYNQTECH stellt auf Claude um – und setzt auf offene Schnittstellen

Ein oranges Pac-Man-Symbol mit dem Claude-Logo jagt in einem leuchtend grünen Labyrinth das Microsoft-Copilot-Logo

LYNQTECH ersetzt Microsoft Copilot und GitHub Copilot durch Claude von Anthropic. Rund 100 Mitarbeitende arbeiten künftig mit Claude, das Entwicklungsteam mit Claude Code. Ausschlaggebend waren die tatsächliche Nutzung im Arbeitsalltag – und das Ziel, künftige Wechsel deutlich einfacher zu machen.

„Das habe ich mit Claude gelöst – äh, ich meine natürlich mit Copilot.“ Diesen Satz hörte man bei LYNQTECH nicht nur einmal. Offiziell war Microsoft Copilot das KI-Werkzeug des Unternehmens. Genutzt wurde es jedoch kaum.

Die Einführung war zunächst den Weg vieler Unternehmen gegangen: Microsoft 365 war ohnehin im Einsatz, die Datenschutzverträge lagen vor. Copilot wurde ergänzt, die Entwickler:innen erhielten GitHub Copilot. Trotz Schulungen, Hackathons und gesammelter Anwendungsfälle blieb die Nutzung niedrig. Ausgerechnet die Integration in Word, Excel und PowerPoint, eigentlich der größte Vorteil, erwies sich im Alltag eher als Hindernis.

Parallel entdeckten immer mehr Mitarbeitende Claude als das für sie bessere Werkzeug. Für ein Unternehmen, das Software für kritische Infrastruktur entwickelt, ist eine solche Schatten-KI jedoch keine Option. LYNQTECH ließ deshalb juristisch prüfen, ob Claude in einem deutschen Unternehmen rechtskonform einsetzbar ist. Das Ergebnis: Mit Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenschutz-Folgenabschätzung, einer geordneten Einführung und klaren KI-Richtlinien ist das möglich.

Den naheliegenden Einwand nimmt CEO Björn Waide vorweg: LYNQTECH tausche einen US-Konzern gegen den nächsten. „Das stimmt. Anthropic sitzt in San Francisco, und Claude löst unser Souveränitätsproblem nicht. Ein Rechenzentrum in Frankfurt löst es allerdings auch nicht, solange die Konzernmutter in Redmond sitzt.“

Entscheidend ist für LYNQTECH deshalb ein weiterer Aspekt: Daten und Prozesse werden möglichst über offene Schnittstellen wie das Model Context Protocol (MCP) angebunden, nicht über proprietäre Plugins. „Wenn in zwei Jahren ein europäisches Modell für unsere Anforderungen vorne liegt, wollen wir in Wochen wechseln können – nicht in Jahren“, sagt Waide. Viele Unternehmen hätten ihren KI-Assistenten vor allem danach ausgewählt, dass er keinen Ärger mit dem Datenschutz macht. Das Ergebnis seien Lizenzen, die kaum jemand nutzt, und Schatten-KI daneben.

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